Ist Pause gleich Stillstand?

Manchmal ist man müde. Hat keine Energie. Und obwohl man gerade noch Momentum verspürt hat, obwohl einem Training, gesundes Essen oder das Einrichten der neuen Wohnung eben noch Freude bereitet haben, ist plötzlich alles weg. Die Motivation. Die Kreativität. Der Drive. 

 

Ohne (offensichtlichen) Grund. 

 

Gute Gewohnheiten, mühsam aufgebaut und endlich automatisiert - so dachten wir zumindest - fallen plötzlich unglaublich schwer, ohne dass wir genau wissen wieso.


Wenn wir uns plötzlich nicht mehr auf alte Verhaltensmuster verlassen können, wenn auf einmal nicht mehr funktioniert, was eben noch ging, so bleibt ein Gefühl der Handlungsunfähigkeit. Denn wie können wir etwas ändern, das wir nicht verstehen? 

 

Und mit dem Unverständnis kommt das Gefühl von Kontrollverlust. 

 

Also versuchen wir alles, um die Kontrolle wieder zu erlangen. Druck wird gemacht, Deadlines gesetzt und Handlungspläne geschmiedet. Kurz: Wir aktivieren all unsere Willenskraft und Selbstdisziplin, immer nach dem Motto: Hauptsache aktiv bleiben. Nur nicht noch mehr Tempo rausnehmen. Bloss nicht zum Stillstand kommen. Denn woher, um alles in der der Welt, sollen wir dann nur die Energie finden, wieder in Fahrt zu kommen?!

 

Solche Momente sind frustrierend. 

 

Einfach nicht mehr zum Training gehen. Die Schokolade trotzdem essen. Den Blog nicht weiterschreiben. Die Freundschaft versanden lassen. Hinschmeissen, davonlaufen oder sich verstecken erscheint verlockend. Es wäre die einfache Lösung. Lieber die eigenen Ziele und Träume aufgeben als sich dem Problem zu stellen und unsichere Pfade zu begehen. 

 

Doch das macht unsere Welt kleiner. Unser Potential geringer. Unsere Lebensfreude weniger. 

 

Also bleibt nur eines: Wir müssen uns aus dieser unangenehmen Situation befreien. Dafür müssen wir handeln. Doch um wieder handeln zu können, müssen wir verstehen. Und um zu verstehen, müssen wir hinschauen und uns fragen: 

 

Woher kommt das plötzliche Bedürfnis nach Pause?

 

Wenn Yoga auch nach dem 1000sten Versuch noch langweilt, der Job seit eh und je sinnlos erscheint, die Wohnung im falschen Viertel der Stadt liegt, einige Freundschaften mehr Energie rauben als spenden und die Weltansicht des Partners immer mehr von der eigenen abweicht, so mag es an der Zeit sein, einen Schlussstrich zu ziehen, um Energie für Neues freizusetzen. 

 

Vielleicht aber sind wir auch nur müde, körperlich oder emotional. Und diese Müdigkeit zeigt sich möglicherweise in Form von Gereiztheit, Sorgen, Angst, Langeweile, Heisshunger, Schlafstörungen, Bauchschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Dann ist es Zeit inne zu halten. Pause zu machen, um zu neuen Kräften zu kommen. Die Herbstzeit ist typisch für solche Erfahrungen. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Energiereserven schwinden und die Verlockung, alte Baustellen auf den Januar zu verschieben, steigt.

 

Doch vielleicht ist das nichts Schlechtes. Vielleicht muss Pause nicht unbedingt Stillstand bedeuten. 

 

Was, wenn es uns gelingt, die Müdigkeit zu akzeptieren anstatt sie zu bekämpfen? Wenn wir uns nicht vom schlechten Gewissen getrieben oder um Willenskraft ringend an Altem festklammern, sondern uns neugierig fragen: Was würden wir denn lieber tun? Und uns dann die Erlaubnis gäben, den aufkeimenden Interessen zu folgen? Wenn wir leichtfüssig den Weg gehen, der sich neu vor uns auftut - und sei es im Moment eher ein versteckter Trampelpfad mit unbekannten Wendungen und Ziel als eine geteerte, gut beschilderte Strasse? 

 

Denn vielleicht gibt gerade diese spielerische Neugierde unserem Leben eine überraschende Wendung, auf die wir im Nachhinein dankbar zurückblicken. 

 

Vielleicht öffnet gerade dieses Loslassen Türen für Neues, Unerwartetes, Überraschendes. 

 

Und vielleicht wird dadurch plötzlich wieder Energie frei, die in das Verfolgen der ursprünglich anvisierten Ziele gesteckt werden kann. Vielleicht sind sie dann plötzlich wieder da. Die Motivation. Die Kreativität. Der Drive. Genauso überraschend, wie sie verschwunden sind. Und, wenn wir Glück haben, stärker als je zuvor. (Manuela)